L U X  L E G E R E

Technologie

Die wunderbare Welt der Technik. Ein Foto in der Hand. Auf einmal entwickelt sich im Kopf die Frage, wie denn dieses Foto in meine Hand kommt. Nach ein paar Kratzern an der Oberfläche entdeckt man die ungeheure Vielfalt, die sich hinter einem Foto verbirgt. Beginnend mit den "großen" Begriffen analog und digital findet man, je weiter geforscht wird, immer mehr Ausprägungen. Alle führen am Ende zu einem Foto in der Hand, aber sie sind teilweise so unterschiedlich wie Feuer und Wasser.


Ich kann und ich werde weder einen geschichtlichen Überblick noch einen technischen Einblick in alle Facetten der für die Erstellung eines Fotos möglichen Technologien geben. Ich kann es gar nicht. Ich beschränke mich darauf, im Rahmen meiner Möglichkeiten auf einige Aspekte einzugehen. Eine Wertung dahingehend, was nun besser oder schlechter ist, werde ich auch nicht abgeben. Denn das ist nicht möglich. Mir selbst stehen viele Möglichkeiten der analogen und digitalen Fotografie zur Verfügung und ich nutze sie kontinuierlich. Das für mich ausschlagebende ist, dass ich selbst entscheiden kann, wie ich zu einem Foto kommen möchte. Und ganz am Ende der ganzen technischen Prozesse geht es doch nur um eine einzige Frage: Gefällt mir das Ergebnis?



Der etwas andere Vergleich zwischen Analog und Digital

Wie oft wurde schon ein Vergleich gezogen zwischen den beiden Technologien. Wobei das Wort Vergleich den Verlauf dieser Diskussionen unnötig schönfärbt. Es wurden regelrechte Glaubenskriege dazu ausgeführt (und werden es teilweise heute noch). Ich halte mich aus diesen Diskussionen gerne raus, denn ich kann meine Zeit sinnvoll verbringen. Und da ich beide Technologien gleichberechtigt nutze, kann ich mal eine andere Betrachtung dieses Themas beisteuern. Dabei geht es nicht um schöner, besser, größer. Am Ende werde ich bei diesem Vergleich immer ein Foto auf Papier in der Hand halten.

In unserer Zeit ist die Frage nach dem Energieeinsatz zur Gewinnung eines Gutes aktueller denn je. Und leider vergessen wir das sehr gerne, wenn wir uns der Fotografie widmen. Nur geht es auch dort nich ohne Energie und auch um Rohstoffe. Ich höre sehr oft diesen hinkenden Vergleich, das mich ein digitales Foto ja nichts kostet - Einschränkung: so lange es nicht ausgedruckt wird. Diese Einschränkung wird entweder vergessen oder kommt ziemlich kleinlaut rüber. Sei es drum. Um das Thema handhabbar zu machen, vergleiche ich mal eine meiner analogen Kameras (eine Spiegelreflex ohne eingebauten Belichtungsmesser) mit einer durchschnittlichen digitalen Kamera aus jüngerer Produktion.

Der erste Energieblock wird benötigt, um die Kameras selbst herzustellen. Also Gleichstand. Es geht an dieser Stelle nicht ohne. Bleibt die Frage: Wie viel? Da müssen Fachleute mal eine Untersuchung machen. Der zweite Energieblock wird für das Aufnahmemedium benötigt. Hier kommt es wieder zu einem Gleichstand, denn die analoge Kamera braucht einen Film. Die Herstellung kostet Energie. Die digitale Kamera braucht Strom. Die Herstellung kostet Energie. Und last, but not least bleibt der dritte Energieblock für die Ausgabe des Fotos auf Papier. Auch hier kommt es wieder zu einem Gleichstand, denn ohne Energie gäbe es weder das Papier, noch die Druckfarben oder die Chemikalien.

Was bleibt, ist also ein Gleichstand zwischen beiden Technologien. In den Kernprozessen wird Energie benötigt. Es kommt aber jetzt trotzdem zu einer Verschiebung, weil an einer bestimmten Stelle unser eigenes Verhalten diese Energiebilanz maßgeblich beeinflusst. Bei einem Foto aus der analogen Schule haben wir immer das Papierbild zum zeigen herumgereicht. Es wurde keine weitere Energie dafür benötigt. In dem Fall der digitalen Fotos ist es allerdings so, dass wir uns in der Hauptsache weiterer, digitaler Medien zum zeigen des Fotos bedienen. Es ist die Ausnahme, dass ein Papierfoto gezeigt wird. Es wird auf einem Monitor zur Anzeige gebracht. Und genau an diesem Punkt kippt dieser Vergleich der Energiebilanzen. Aus einem vorherigen Gleichstand wird ein Missverhältnis. Vielleicht wird einmal diese Bilanz durch Fachleute mit Zahlen belegt. Es wäre spannend.



Landschaft auf sw-Film, es geht wunderbar, selbst mit Kleinbild, 135er Ilford Delta 100


s/w-Film, mehr als nur ein Glaubensbekenntnis

In diesen Tagen häufen sich wieder in den einschlägigen Online- und Offlinemagazinen die Meldungen mit dem Motto: Film ist nicht tot! Wer sich ein wenig in der Welt der Produkthersteller umsieht, wird feststellen, dass diese bereits vor Jahren begonnen haben, ihre Produktion so anzupassen, dass sie damit überleben können. Die anderen sind bereits tot und vom Markt verschwunden. Von daher betrachtet ist die genannte Aussage ziemlicher Unsinn. Film war nie tot. Es ist weniger im Angebot, als vor Jahren noch. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ein Mehr an experimentellen Filmen, die zu ganz eigenen Ausdrucksweisen in den Bildern kommen. Auch wenn es etwas wiedersprüchlich klingt, aber im Bereich s/w geht es ganz schön bunt zu.

Ich habe mich in den letzten Jahren wieder verstärkt um mein Heimlabor gekümmert, dass - obwohl farbtauglich - nur für s/w genutzt wird. Gleichzeitig habe ich aber auch die digitale Fotografie intensiv genutzt. Es bleibt die Frage, warum noch ein Heimlabor für s/w, wenn es doch digital so einfach geht.

Zunächst mal eine ganz einfache und leider auch wahre Aussage: digital geht es nicht einfacher. Wer nicht weiß, was er tun soll, wird in seinem digitalen Fotolabor einiges erreichen, aber nicht das gewünschte Ergebnis. Und genau das trifft in dieser Absolutheit auch auf das analoge Fotolabor zu. In beiden Fällen ist ein Lernprozess zwingend erforderlich, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Wenn dieser Schritt geschafft ist, dann lässt sich nur noch eine einzige Aussage machen: Heimlabor geht anders als Digitallabor - aber nur aufgrund der notwendigen Mittel. Auf der einen Seite ist die Nutzung von Chemie zwingend, auf der anderen die Nutzung von Elektronik. In beiden Fällen gibt es kleinere und größere Helferlein, die das Leben etwas einfacher machen. Ich persönlich empfinde aber den Zeitaufwand für Erstellung eines Fotos auf diese oder jene Weise nicht mehr als sehr unterschiedlich.

Spannend wird es aber bei der Beurteilung der Ergebnisse. Und hier meine ich nicht die Ergebnisse eines Hybridprozesses, in dem analog und digital gemischt werden. Es geht mir auf der einen Seite um die komplett digitale Bilderstellung von der Aufnahme bis zum Ausdruck auf der einen Seite und um die komplett analoge Bilderstellung mit der Ausbelichtung mittels Vergrößerer auf der anderen Seite. Wenn bei beiden Verfahren identische Arbeitsschritte vorgenommen werden, also Kontrastbeeinflussung, Nachbelichtung und Aufhellen und Fehlerentfernung sowie die Verwendung ähnlicher Papiere für Druck und Ausbelichtung, dann sieht selbst ein Laie den Unterschied. Das digitale Foto sieht durch seine absolute Schärfe und die fast klinische Reinheit einfach nur perfekt aus. Das analoge Foto lässt dagegen einiges durch seine anatomischen Besonderheiten nicht so scharf und so rein aussehen. Hier trifft klar sichtbar das mathematisch perfekte Pixxel auf das chaotische Korn.

Erstaunlicher Weise hat schon vor längerem im Bereich der digitalen s/w-Fotografie ein Trend eingesetzt, der mittels technischer Eingriffe versucht, diesen "Look" des analogen Films zu simulieren. Ich selbst habe mal mit solchen Einstellungen und auch professionellen Tools experimentiert. Mein ganz eigenes Fazit: es geht in die Richtung von Film. Aber mich hat es nicht überzeugt. Es würde jetzt zu weit führen, eine genaue technische Analyse vorzunehmen. Es ist so, dass ich mit s/w-Film bei vielen Motiven eine Wirkung erzielen kann, die ich in genau dieser Form nicht digital darstellen kann. Zumindest nicht mit für mich erträglichen Kosten. Und genau darin liegt für mich der ganz besondere Charm beim Einsatz von s/w-Film. Mathematik versus Chaos, jeder muss da seine eigenen Präferenzen entwickeln.



Abtei Heisterbach im Detail, 135er Fomapan 200


Hybrid oder der Charakterverlust

Im Zusammenhang mit der analogen Fotografie wird häufig der Begriff gequält, dass man hybrid arbeite. Also ganz einfach den Film einscannen lässt. Genau genommen beinhaltet dieser Begriff so viel mehr, z.B. auch das ausdrucken einer digitalen Bilddatei, aber das schenke ich mir an dieser Stelle. Eine der meistgenannten Ausreden für das hybride arbeiten ist der Umstand, das kein Platz oder keine Lust für eine Dunkelkammer und die damit verbundene Arbeit existiert. Das kann so sein, jedoch gibt es eine kleine Anzahl von Anbietern, die auch heute noch die Filmentwicklung sowie Bilderstellung auf sehr hohem Niveau anbieten und dabei etwas ganz besonderes leisten: sie erhalten weitestgehend den Charakter des verwendeten Materials.

Das hört sich zunächst nach einer Selbstverständlichkeit an. Ist es aber gar nicht. An einem einfachen Beispiel ist es gut zu erkennen. Es wird ein Farbnegativfilm verwendet, der von Haus aus ganz bestimmte Charakteristika aufweist. Bekannt sind z.B. die geradezu grellen Farben einiger Fuji-Filme. Diese Filme wurden bei ihrer "Erfindung" aber gerade genau darauf ausgelegt, denn eine sehr breite Anwenderschicht wollte auf ihren Urlaubs- und Erinnerungsfotos einen blaueren Himmel haben, als es ihn in der Wirklichkeit gab. Und genau dafür wurde dieser Film entwickelt. Wenn ich im Internet Fotos finde, die mit diesem Film aufgenommen wurden, stelle ich aber häufig fest, dass der Fotograf genau dieses Verhalten des Films mithilfe von Adobe-Voodoo und ein paar anderen Tricks weggebügelt hat. Anders lässt es sich kaum beschreiben.

Wenn ich einen bestimmten Film verwende, tue ich das mit einer ganz bestimmten Absicht. Mir ist durchaus bewusst, dass ich bei einer späteren digitalen Bearbeitung etwas daran ändern kann. Aber warum verwende ich dann nicht gleich ein anderes Material, dass meiner ursprünglichen Absicht entspricht? Ich kann nicht in die Köpfe der anderen Anwender gucken, die durchaus für viel Geld die Geräte für einen hybriden Prozess angeschafft haben und dann damit das Wesen eines Filmtyps zu korrigieren versuchen. Ich versuche, die Technologie für meine Zwecke optimal zu nutzen. Und da ich keine professionellen Hochleistungsgeräte besitze geschweige denn mir leisten kann und will, nutze ich die Scanner und die nachgelagerten Prozesse nicht, um damit das endültige Bild auf Papier zu erstellen.

Bei meinen hybriden Arbeiten fällt mir zudem immer wieder auf, dass ich geneigt bin, einige Korrekturen an den digitalen Dateien vorzunehmen, die ich in der Form niemals in einem Dunkelkammerprozess nachbilden kann. Das ist ein spannendes Gebiet. Aber ich muss dann so ehrlich sein und mir eingestehen, dass ich damit das ursprüngliche Medium vollends verlasse und in einen total anderen Prozess einsteige. Das ist ein sehr spannendes Gebiet, aber dann auch ein völlig anderes Thema.

Wenn ich mit analogem Material arbeite, möchte ich den Prozess von Anfang bis Ende mit den für diesen Prozess verfügbaren Mitteln gestalten, um zu einem Foto zu gelangen. Und wenn ich einen Farbfilm nutze, dann nehme ich die Angebote der bereits genannten Anbieter auch wahr, um zu einem hochwertigen Foto zu kommen. Denn Farbe verarbeite ich nicht selbst. Es kostet zwar etwas, aber da ich ja nicht auf einem Film mit 36 Bildern auch 36 weltbewegende Kunstwerke erzeuge, ist es mir das Geld auch wert.



Burg Blankenberg im Siegtal


Eine Kamera von Format

Ich habe es getan. Obwohl ich mir die ganze Zeit immer wieder klargemacht habe, dass ich es ja gar nicht brauche. Ich habe ja alles, was ich will. Und dieses wenig mehr reizt mich nun wirklich nicht. Was sage ich, völlig überflüssig ist es. Zu spät. All die Gegenwehr war am Ende nicht von Erfolg gekrönt. Ich habe es getan.

Aber Moment. Ist es wirklich so, dass mir nichts fehlte. Ich versuche mal, es genau zu durchleuchten. Diese großartigen Erfinder in der Kameraindustrie haben etwas sehr besonderes geschafft. Die gesamte Technologie wird immer kleiner, aber die Ergebnisse, die damit erzielt werden können, werden immer besser. Und es ist wirklich so. Vor kurzem noch undenkbar, aber inzwischen werden komplette Werbekampagnen mit dem iphone produziert. Und das, obwohl jeder technisch ernsthafte Fotograf dabei nur die Nase rümpft. Den Betrachter, zu denen lustiger Weise auch eben jene Nase-rümpfenden Fototechniker gehören, stört es nicht. Im Gegenteil. Sie bemerken gar nicht, wie das, was sie betrachten, entstanden ist. Und ganz ehrlich, das ist doch das oberste Ziel. Das Bild zählt. Ob ich mir dabei den Ischias eingeklemmt habe, interessiert doch niemanden.

Wenn ich also für mich konstatiere, dass ich für mich keinen Vorteil in der Größe (hier des Bildsensors) sehe, so stimmt das weiterhin. Schon wie zu Zeiten des analogen Films habe ich sowohl mit kleinen Filmen als auch mit großen Filmen sowohl viel Murks, aber auch dann und wann etwas ansprechendes geschaffen. Am Ende war es immer das Bild.

Aber in einem Punkt bin ich doch eigen und dann kommt das Format doch auf einmal ganz anders daher. Ich bin bestimmt nicht der Grobmotoriker, der mit einer Schlagbohrmaschine ein Relief in eine chinesische Porzellantasse ritzen möchte. Aber trotzdem ist für mich jetzt der Punkt erreicht, in der es mir einfach keinen Spaß mehr macht, einen immer kleiner werdenden Kamerakorpus mehr oder weniger verkrampft in den Händen zu halten. Die Industrie hat das schnell erkannt und ersann die Batteriegriffe. Zum einen, weil diese Elektronikwinzlinge trotz ihrer Kleinheit einen riesengrossen Durst nach Strom haben. Aber vorrangig, weil man damit so wunderbar Geld verdienen kann. Jeder Kameratester schreibt ja brav und artig, dass sich das Gehäuse mit angesetztem Griff gleich viel besser bedienen lässt. Macht 350 Euro. Aber es gibt sie noch. So ein paar Kameras, die nicht nur innere Größe zeigen. Sie zeigen auch im Gehäuse eine angenehme Größe. Und da ich gerne genau so etwas spüren möchte, habe ich für mich die Formatfrage entschieden.

Meine Bilder werden durch die neue Kamera nicht besser. Meine Technik erfährt keinen Turboschub. Ich kann auch nicht in neue Sphären aufbrechen, denn auch die neue kann nur Fotos machen. Aber für mich als jemanden, der einfach Spaß an dem Hobby hat, fängt der Spaß bei der Haptik an. Wenn es keinen Spaß macht, das Werkzeug zu bedienen, wird man es für sein Hobby auch nicht nutzen. Erfahren am eigenen Leib und für Abhilfe gesorgt. Und das ganze ohne diese irrwitzige Diskussion, warum etwas Grosses besser ist.



© 2018 - Michael Semmler -